Die schonende und minimalinvasive Chirurgie
Kieferchirurgie

Stuttgart-Mitte  0711 2264971
Dr. Dott. Thomas Mayer
Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Zahnärztliche Chirurgie (Oralchirurgie)

Die Oralchirurgie beschäftigt sich mit der Chirurgie der Zähne und des Zahnfleisches, der Mundschleimhaut und Speicheldrüsen, Lippen, Zunge und Kieferhöhlen.
 
Berechtigt zur Ausübung der Oralchirurgie sind:
  -Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ("Kieferchirurgen")
  -Oralchirurgen
 Raum
Die wichtigsten Aufgabengebiete werden nachfolgend ausführlich behandelt:
 
 
 

Weisheitszähne

Weisheitszähne werden die achten Zähne ab der Mittellinie im menschlichen Gebiss genannt ("die Achter"). Es gibt insgesamt vier Weisheitszähne. In seltenen Fällen können es auch mehr sein (zusätzlich die "Neuner"). Weisheitszähne gehören zu den Molaren, RöntgenbildSie haben im Gegensatz zu diesen aber keine charakteristische Form. Beispielsweise existieren Weisheitszähne mit nur drei oder auch mit fünf Höckern. Auch die Anzahl der Wurzeln ist unterschiedlich. Teilweise sind die Wurzeln auch miteinander verwachsen oder hakenförmig gebogen, so dass eine Extraktion der Zähne erschwert wird.

Evolutionäre Entwicklung

Die rohe und oft mit Sand versetzte Nahrung unserer Vorfahren führte zu einer starken Abnutzung durch Reibung der Zähne an ihren Nachbarzähnen. Nicht nur die Kauflächen nutzten sich ab, sondern die Zähne wurden auch schmaler. Dadurch entstand am Ende der Zahnreihe Platz für die im 14.-20. Lebensjahr nachwachsenden Weisheitszähne


Gesundheitliche Folgen

Häufig tritt er nur unvollständig durch (Teilretention). Durch die partielle Bedeckung mit Zahnfleisch und die unzureichende Reinigungsmöglichkeit kommt es bei teilretinierten Zähnen häufig zu Entzündungen bis hin zu Abszessen.
Weisheitszähne sind auch im fortgeschrittenen Stadium nicht so stark und fest wie andere Zähne und können so schnell wegbrechen. Weisheitszähne sind daher sehr oft ein Problem im menschlichen Gebiss, sei es durch die erschwerte Pflege, oder, weil sie die anderen in der Zahnreihe stehenden Zähne verschieben können. Deswegen müssen Weisheitszähne sehr oft gezogen werden. Immer häufiger werden sie auch bereits vor ihrem Durchbruch operativ entfernt.

Operative Entfernung

Bei der Entfernung von Weisheitszähnen handelt es sich weniger um einen zahnmedizinischen als vielmehr um einen oralchirurgischen Eingriff. In der Regel wird die Operation unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Auf Patientenwunsch kann eine Analgosedierung durchgeführt werden, oder im Fall von besonders komplizierten bzw. schmerzhaften Eingriffen kann eine Vollnarkose in Frage kommen. (siehe Kapitel Analgesie =Schmerzbekämpfung)
Häufig kommt es vor, dass der Zahn sehr fest im Kiefer sitzt. Um möglichen Schädigungen vorzubeugen, ist es nötig, den Zahn im Kiefer zu zerlegen, was auch bei Lokalanästhesie durchgeführt werden kann.


Verhalten nach der Operation

Die Öffnung schließt sich meist im Laufe der ersten Wochen nach der Behandlung. In der ersten Zeit nach der Operation ist das richtige Verhalten wichtig für eine gute Wundheilung und die Minderung der unvermeidbaren OP-Folgeerscheinungen.

In den ersten 24 Stunden kann bzw. sollte die Wunde gekühlt werden. Dies erwirkt eine geringere Schwellung. Hierzu können Coolpacks oder nasse Waschlappen bzw. Eis verwendet werden.
Nach einer Weisheitszahnoperation kann im Prinzip alles gegessen oder getrunken werden; allerdings ist darauf zu achten dass nach jeder Nahrungsaufnahme die Zähne und auch der Wundbereich vorsichtig mit einer weichen Zahnbürste geputzt wird. Es kann sonst zu Entzündungen im Wundbereich kommen, wodurch die Heilphase verlängert wird. In der Regel werden Schmerzmedikamente und gegebenenfalls ein Antibiotikum verabreicht.
Die Tage nach der Operation sollte auf Alkohol, Nikotin aber auch auf Sonnenbäder, Saunabesuche bzw. Solarium verzichtet werden. Die Empfehlung, auf Milchprodukte zu verzichten, gilt als überholt, jedoch sollte nach dem Verzehr der Mund gespült werden. Unter Umständen sollte man auch das Schnäuzen in den ersten Wochen nach der Operation vermeiden, da es durch den Druck, der dabei auf die Kieferhöhle ausgeübt wird, zu stärkeren Blutungen aus der vernähten Wunde kommen kann. Einige Zahnärzte und Apotheker empfehlen zum schnelleren Abschwellen der geschwollenen Wange zusätzlich die Einnahme von Arnika-Präparaten.


Wurzelspitzenresektion (WSR, auch Apektomie, Wurzelspitzenamputation)

ist eine Entfernung (Resektion) einer Wurzelspitze (Apex) des Zahnes und des entzündlich erkrankten Gewebes drumherum. Es handelt sich um eine Maßnahme der Oralchirurgie zur Behandlung von Entzündungen, Infektionen, oder anderen Schädigungen im Wurzelbereich.
Dabei erfolgt ein Zugang auf die Zahnwurzel von außen durch den Kieferknochen. Es werden etwa 2-4 mm der Wurzelspitze entfernt, was die Stabilität des Zahnes nicht beeinträchtigt. (ein zuvor gelockerter Zahn kann sogar wieder fester werden, weil sich der entzündlich geschädigte Knochen wieder regenerieren kann.) 


Indikationen

Eine Wurzelspitzenresektion kann notwendig werden
- wenn es trotz einer korrekten orthograd – also auf dem "normalen Weg" entlang des Wurzelkanals – durchgeführten endodontischen Behandlung (Wurzelfüllung) zu Komplikationen kommt: bei einer resorbierenden apikalen Parodontitis (röntgenologisch sieht man eine Aufhellung an der Wurzelspitze)
- wenn von vornherein eine alleinige konservative Therapie keine Erfolgsaussichten verspricht
- aufgrund: der Ausdehnung der entzündlichen Veränderung einer Zyste der anatomischen Besonderheiten (z. B. Wurzelkrümmung, Ramifikationen)
- zur Entfernung abgebrochener Instrumente im Wurzelkanal
- bei Zahnfrakturen im unteren Wurzeldrittel.

Wirtschaftliche Indikation

Es gibt auch eine wirtschaftliche Indikation: sind die Wurzelspitzen stark gekrümmt, so ist eine Wurzelbehandlung und Wurzelfüllung orthograd also ohne Operation dennoch möglich. Allerdings erfordert dies zusätzlichen apparativen und zeitlichen Aufwand, der von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht finanziert wird.
Man hat also zu wählen zwischen einer privat zu finanzierenden orthograden Wurzelfüllung (400-800€) und einer Wurzelspitzenresektion. Nach der chirurgischen Entfernung der gekrümmten Wurzelspitzen kann dann eine herkömmliche Wurzelbehandlung erfolgen.


Mögliche Spätfolgen

Die Wurzelspitzenresektion verursacht operationsbedingt einen Knochendefekt, der eine spätere Versorgung z. B. mit Implantaten beeinträchtigen kann. Angesichts der unsicheren Prognose der Wurzelspitzenresektion (80-90%) und der hohen Erfolgsrate einer implantologischen Versorgung ist gut abzuwägen, welcher Versorgung man den Vorzug gibt.
Die Kosten einer Wurzelspitzenresektion mit evtl. nachfolgender prothetischer Versorgung des Zahnes (Zahnkrone) liegen bei sorgfältigster Ausführung im Bereich einer Implantat-Versorgung. Der Masterverband Implantologie weist darauf hin und sieht nur noch eine eingeschränkte Indikation für eine Wurzelspitzenresektion.

Alternativen

Eine Wurzelspitzenresektion stellt häufig die letzte Möglichkeit für den Erhalt des Zahnes dar. Falls möglich, sollte einer Revision der Wurzelkanalbehandlung (Entfernen der alten Wurzelfüllung, Desinfektion und neue Wurzelfüllung) der Vorzug gegeben werden.

Generell gibt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnärzten hierzu folgende Empfehlung: "Ein Verzicht auf eine orthograde Revision und die Entscheidung für einen rein apikalchirurgischen Eingriff ist nur dann sinnvoll, wenn auf orthogradem Wege ein ausreichender Zugang in das endodontische System oder eine Verbesserung des Zustandes auf orthogradem Wege nicht möglich/wahrscheinlich erscheint."
Ungeachtet des aktuellen Stands der Wissenschaft sind im deutschsprachigen Raum Revisionen einer Wurzelbehandlung nach wie vor selten, während sich die Wurzelspitzenresektion weiterhin großer Beliebtheit erfreut. In Ländern wie den USA wird die Revision häufiger durchgeführt, da es dort in vielen Orten Fachzahnärzte für Endodontie gibt.

Technisches Vorgehen

Nach Mobilisierung eines Zahnfleischlappens wird mit einer Kugelfräse unter Kühlung mit physiologischer Kochsalzlösung der Knochen über der Wurzelspitzenregion entfernt und der pathologische Befund entsprechend seiner Ausdehnung dargestellt. Das granulomatös entzündliche oder zystische periapikale Gewebe wird entfernt und die Wurzelspitze so weit wie erforderlich gekürzt und geglättet. Am Resektionsquerschnitt wird die Wurzelkanalfüllung auf Dichtigkeit überprüft, ggf. muss die Wurzelkanalfüllung erneuert oder eine retrograde Füllung gelegt werden.
Dank verbesserter Operationstechniken (Operationsmikroskop, Ultraschallinstrumente, mikrochirurgisches Instrumentarium) sind die Erfolgschancen deutlich verbessert worden.


Krankenversicherungsrechtliche Aspekte

Die GKV (gesetzliche Krankenversicherung) wird die Kosten der Wurzelspitzenresektion sowie der Wurzelfüllung nur übernehmen, wenn nach deren Ansicht die Behandlung "notwendig", "wirtschaftlich" und "ausreichend" ist.

Dies ist in folgenden Fällen nicht gegeben: wenn Arbeitsaufwand und apparative Notwendigkeiten das Maß des Wirtschaftlichen übersteigen (z.B. bei instrumenteller physikalisch- chemischer Aufbreitung, geräte- und technikintensiver Wurzelfüllung, elektrometrischer Längenbestimmung, Arbeiten mit Lupenbrille oder Mikroskopie u.v.m.).
Die Kosten für die Behandlung mit einem Operationsmikroskop werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. wenn Zähne endodontisch behandelt werden, die nicht richtliniengerecht zu versorgen sind (z.B. Abfüllen bis zur apikalen Konstriktion nicht möglich wegen Kanalverschluss),  wenn der Erhalt des Zahnes von vornherein eindeutig fraglich ist (z.B. wegen kombiniert endodontisch- parodontaler Erkrankung), wenn Molaren, die nach den Richtlinien ausgeschlossen sind, endodontisch behandelt werden sollen, z.B. wenn keine geschlossene Zahnreihe vorliegt, wenn nicht eine einseitige Freiendsituation vermieden wird, wenn sich funktionsuntüchtiger Zahnersatz auf dem Molaren befindet.

 

Liegt einer dieser Punkte vor, so soll nach Vergaben der GKV der Zahn entfernt werden. Wünscht der Patient dennoch die Erhaltung des Zahnes, so kann er auf die Möglichkeit zurückgreifen die Behandlung privat zu finanzieren.


Parodontitis ("Parodontose")

Die Parodontitis ist eine bakteriell bedingte Infektionskrankheit, die sich in einer bleibenden entzündlichen Zerstörung des Zahnhalteapparates (Parodontium) zeigt.
Die Entzündung betrifft das sichtbare Zahnfleisch (Gingivitis) und den Zahnhalteapparat (Parodontitis). Der Zahnhalteapparat besteht aus Knochen, Zahnwurzeloberfläche und dazwischenliegenden Haltefasern.
Die Bakterien organisieren sich in Belägen (Biofilm), die sich in Taschen zwischen Zahn und Knochen in die Tiefe ziehen, und so den Zahn langsam vom Knochen trennen, bis er schließlich ausfällt. Dieser Prozess kann manchmal von immer wiederkehrenden starken Schmerzen begleitet werden.

Behandlungsablauf in unserer Praxis 

Zunächst wird die akute Entzündung (akute Gingivitis) symptomatisch beseitigt. Um dies zu erreichen werden ursächliche Faktoren, wie z.B. Zahnstein entfernt, die Bakterien werden durch antiinfektiöse Salben zurückgedrängt und die Zahnoberflächen gereinigt und poliert. Dies kann einige Sitzungen in Anspruch nehmen.

Ist die Gingivitis abgeklungen, befinden sich am Boden der tiefen Taschen noch die besonders aggressiven Bakterien, die die Parodontitis verursachen. Um diese zu bekämpfen, werden die Wurzeloberfächen bis zum Taschenboden mit speziellen ultraschall-getriebenen Sonden gereinigt (Debridement).
In der selben Sitzung werden die Bakterien mittels Laserbehandlung abgetötet (aPDT), und die Zahnoberflächen bis zur Wurzel poliert (Air-Flow). Eine Verbandplatte kann anschließend helfen, das Zahnfleisch in der Regenerationsphase zu schützen.

Entscheidend für den langfristigen Erfolg der Behandlung ist die Mitarbeit des Patienten. Diese besteht in Mundhygienemaßnahmen, die in Abhängigkeit von der individuellen Gebisssituation von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Im Laufe der Behandlung erfolgen ausführliche Erklärungen um den Patienten in diese Maßnahmen einzuführen.

Wissenswerte Hintergründe 

Biofilme sind häufig in der Natur. Steine in einem Bach können "glitschig" sein. Das liegt daran, dass sich einzellige Organismen zusammentun und durch Schleimabsonderung auf der Oberfläche eine stabile Matrix bilden, in der sie dann, geschützt vor äußeren Einflüssen, leichter überleben können. In der Tat ist dieser Biofilm sehr widerstandsfähig, es gelingt kaum, ihn abzuschrubben oder abzukratzen. So ist es auch mit dem Biofilm auf den Zähnen. Hat er sich einmal gebildet und stabilisiert, ist er mit der Bürste kaum noch zu entfernen. Es bedarf scharfer zahnärztlicher Schabinstrumente oder Ultraschallspitzen um ihn loszuwerden. Bleibt er über längere Zeit bestehen, entsteht durch Kalkeinlagerung Zahnstein.

Sowohl bei der Gingivitis als auch bei der Parodontitis werden aus dem Biofilm und Zahnstein bakterielle Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte freigesetzt, die Abwehrreaktionen des Körpers auslösen. Den Biofilm selbst effektiv zu bekämpfen gelingt der Immunabwehr nicht. Die Hauptrolle bei der Gewebszerstörung selbst spielt das eigene Immunsystem, das dennoch versucht, die Bakterien zu beseitigen. Diese Immunantwort besteht aus einer vielfältigen Abfolge von Aktionen und Reaktionen, bei der verschiedene Entzündungsstoffe und –zellen beteiligt sind. Unter anderem werden Enzyme gebildet, die die Bakterien zerstören sollen, jedoch auch zu einer Zerstörung von Eigengewebes führen.
Das bedingt letztlich den Verlust von Bindegewebe und Knochen. Das Ergebnis der Reaktion auf die Bakterien sind Zahnfleischbluten, Taschenbildung, Zurückgehen des Zahnfleischs und schließlich Lockerung und Verlust der Zähne.


Risikofaktoren

Obwohl das Immunsystem und die Anwesenheit bestimmter Bakterien die Hauptrolle bei der Entstehung einer Parodontitis spielen, gibt es einige Risikofaktoren, die die parodontale Gesundheit beeinflussen:

Schlechte oder falsche Mundhygiene mit Belägen und Zahnstein,

aber auch genetische Prädisposition also Veranlagung.

Ein weiterer starker Risikofaktor ist Tabakkonsum: Raucher haben verglichen mit Nichtrauchern ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln.

Auch Diabetiker sind gefährdet (insbesondere wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist.)

Auch der Speichelaustausch (gel. Küssen genannt, aber auch Schnuller anlecken u.ä.) mit Personen mit bestehender Parodontitis kann zur Ansteckung mit biofilmbildenden Bakterien führen.

In der Schwangerschaft ist das Parodontitisrisiko erhöht: durch Hormonumstellung lockert das Bindegewebe auf und das Zahnfleisch schwillt an; Bakterien können leichter in die Tiefe vordringen.

Weitere Risikofaktoren sind offene Zahnkaries, Mundatmung, Bruxismus (Knirschen), allgemeine Abwehrschwäche, unausgewogene Ernährung (früher spielte Vitaminmangel eine größere Rolle (Skorbut)) ungünstig lokalisierte Piercings (Lippe, Lippenbändchen, Zunge).


Verlauf

In den meisten Fällen handelt es sich um ein chronisch schubweise verlaufendes Geschehen. Dieses tritt vorwiegend bei Erwachsenen auf, ist nur selten schmerzhaft und führt, von den Betroffenen zumeist unbemerkt, erst nach Jahren zu Zahnlockerungen.

Bei einer guten Körperabwehr können die Mikroorganismen lange davon abgehalten werden, in die Tiefe vorzudringen. Die Kräfteverhältnisse in diesem Kampf sind jedoch sehr labil. Eine Verschlechterung der Körperabwehr, eine starke Vermehrung von Bakterien, oder eine Veränderung der Aggressivität der Mikroorganismen führt dann zu einem weiteren Fortschreiten des Entzündungsgeschehens in die Tiefe. So kommt es im Verlauf zu einem stetigen Knochenverlust, der nur durch eine vollständige Entfernung der Reize gestoppt werden kann.
Aufgrund des langsamen und langen Krankheitsverlaufs wird diese Form der Entzündung als chronische Parodontitis bezeichnet.

Davon wird die aggressive Parodontitis unterschieden, welche rasch zu umfangreichem Knochenverlust führt und manchmal auch schon im Kindesalter auftritt. Darum wurde sie in der früheren Nomenklatur als juvenile Parodontitis bezeichnet. In Röntgenbildern erscheint der Knochenverlust bei diesem schnell fortschreitenden Verlauf als scharfkantiger vertikaler Krater entlang der Wurzeloberfläche, da keine Knochenformung durch die Knochenzellen stattgefunden hat. Als Ursachen für diese seltenere Form werden besonders aggressive Erreger und/oder eine nicht funktionierende lokale Abwehr diskutiert.

Folgende Anzeichen können auf eine Erkrankung des Zahnhalteapparates hindeuten und sollten vom Zahnarzt abgeklärt werden: Zahnfleischbluten, Rötungen, Schwellungen und Berührungsempfindlichkeit des Zahnfleisches in aktiven Entzündungsstadien außerdem Mundgeruch, Eiterbildung am Zahnfleisch. Bei fortgeschrittenem Verlauf zeigt sich Zahnfleischrückgang ("die Zähne scheinen länger zu werden"), sowie Zahnlockerung/-wanderung.

Die Behandlung nach den Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen

gliedert sich in verschiedene Phasen, in denen wir unterschiedliche Maßnahmen durchführen. Die erste Phase stellt eine umfassende Diagnostik dar, mit welcher Art, Schwere, Verlauf und Ursachen der Erkrankung bestimmt werden. Klinisch beurteilt man den Gesamtzustand des Gebisses, die Zahnlockerung, die Tiefe der Taschen (Sondierungstiefe) den Zahnfleisch-Rückgang und die Mundhygiene des Patienten. Außerdem wird durch Röntgenaufnahmen der Knochenverlauf festgestellt. Erkrankungen des Gebisses, die eine Parodontose begünstigen werden festgestellt: dazu gehören Zahnfehlstellungen, Karies, verlagerte Zähne, Engstand, Weisheitszähne mit Platzmangel, Zähneknirschen, ungünstig gestaltete Füllungen, Kronen oder Brücken, Zahnhalserosionen oder Schäden durch unsachgemäßes Putzen.
In manchen Fällen werden ergänzend mikrobiologische (Nachweis bestimmter parodontalpathogener Bakterien) oder genetische (Nachweis einer genetischen Veranlagung) Tests durchgeführt. Auch eine Überweisung zum Allgemeinmediziner zum Ausschluss einer systemischen Erkrankung (Diabetes, HIV, Leukämie etc.) kann nötig sein.

Es folgt die sogenannte Hygienephase. Dabei wird dem Patienten gezeigt, wie er zu Hause eine optimale Zahnpflege betreiben kann. Die Vielzahl der Gebisssituationen erfordert jeweils ein angepasstes Vorgehen. So muss ein lückiges Gebiss anders gepflegt werden als ein Gebiss mit Engstand. Tiefe Füllungen, Kronen und Implantate erfordern jeweils besondere Maßnahmen. Brücken müssen mit speziellen Instrumenten gereinigt werden, die Eigenschaften der Zahnpasta muss der Gebisssituation angepasst werden.
Parodontitispatienten empfehlen wir grundsätzlich immer eine Schallzahnbürste. Inwieweit Interdentalbürsten, Zahnseide, Zungenbürsten, spezielle Zahnpasten und Mundspülungen anzuraten sind, wird in einem ausführlichenBeratungsgspräch individuell erörtert. Auch die Empfehlungen zur Häufigkeit und dem Zeitpunkt der Hygienemaßnahmen werden der speziellen Situation des Patienten angepasst.

Es ist auch Teil der Hygienephase, durch zahnärztliche Maßnahmen die häusliche Hygiene überhaupt erst zu ermöglichen. Zum Bespiel können scharfe Füllungskanten oder Kronenränder die Benutzung von Zahnseide ungemein erschweren. Schmerzhafte Karies oder überempfindliche Stellen können den Patienen davon abhalten gerade diese problematischen Stellen zu säubern. Deshalb werden diese Defekte zunächst behoben. Dafür kann gelegentlich eine Rücküberweisung an den Hauszahnarzt erforderlich sein.
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Hygienephase stellt die Entfernung des Zahnsteins und des hartnäckigen Biofilms mit parodontalchirurischem Instrumentarium dar, da dieses selbst mit optimaler häuslicher Hygiene nicht zu bewerkstelligen ist.
Ebenfalls in die Hygienephase gehört die Entfernung von Zähnen, die mit medizinischen Maßnahmen nicht mehr langfristig erhalten werden können.

Dem glücklichen Patienten kann es passieren, dass das Ende der Hygienephase bereits das erfolgreiche Ende der Behandlung darstellt. In diesen Fällen kann allein durch die Optimierung der Mundhygiene und die Beseitigung der Ursachen und erschwerenden Faktoren der Verlauf gebremst oder sogar gestoppt werden.
In den meisten Fällen gelingt dies jedoch nicht, da gerade die aggressivsten und widerstandsfähigsten Bakterien am Boden der tieferen Taschen vegetieren, wo sie für die häusliche Pflege unerreichbar sind. Dort bilden sie ihren Biofilm, in dem sie geschützt vor unseren Mundspülungen, Zahnpastas, Salben, Bürsten und Zahnseide oder auch Antibiotika überleben und bei jeder Gelegenheit wieder die gesamte Mundhöhle besiedeln.

Diese aggressiven Bakterien werden in der nächsten Behandlungsphase bekämpft. Die Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen sehen eine geschlossene und eine offene Behandlungsphase vor. Im Gegensatz zur "geschlossenen"Phase wird bei der "offenen" in einer späteren Sitzung das Zahnfleisch mit einem Schitt geöffnet, um auch besonders tiefe Taschen zu erreichen. (Dies entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft, ist jedoch Voraussetzung für eine Kostenübernahme)

Ziel dieser Behandlungssitzung ist, die Oberflächen der Zahnwurzeln bis zum Boden der Taschen vollständig von Bakterien und Biofilmen zu befreien, die Wurzeln zu glätten und zu polieren. Dieses Ziel muss im gesamten Mundraum an allen Zähnen gleichzeitig erreicht werden. Der Grund ist, dass das Verbleiben auch nur eines einzigen Bakteriennestes schnell zu einer Wiederbesiedlung der zunächst erfolgreich behandelten Taschen führt. Daher entscheiden wir während der Behandlungssitzung von Zahn zu Zahn, ob offen oder geschlossen vorgegangen werden muss.

Nach dieser chirurgischen Sitzung erfolgt in einem Zeitraum vom ca 10 Tagen die Bildung von sogenanntem Saumepithel, mit dem das Zahnfleich wieder am Zahn festwächst und damit die Taschen wieder verschließen kann. Dieser Zeitraum ist sehr sensibel, es darf keine Störung durch zu heftiges Putzen oder die Benutzung von Zahnseide auftreten um den Vorgang nicht zu stören. Wir empfehlen lediglich Mundspülungen und eine Zahnfleischschutzplatte.

Im Anschluss einer erfolgreichen Parodontosebehandlung können weiterführende Maßnahmen erwogen werden. Diese dienen zum Teil ästhetischen Zielen, wenn z.B. durch plastische zahnfleischchirurgische Eingriffe freiliegende Zahnhälse gedeckt werden. Weiterhin kann durch Neuaufbau verlorengegangener Knochen ersetzt werden.

 


Prognose

Rechtzeitig und richtig behandelt kann einer Parodontitis fast immer Einhalt geboten werden, allerdings ist diese Behandlung zum Teil sehr langwierig und immer stark von der Mitarbeit des Patienten abhängig.

Darum ist auch nach Beendigung der eigentlichen Therapie eine regelmäßige Nachsorge nötig, um einem erneuten Aufflammen der Entzündung frühestmöglich entgegenzuwirken.

Gesundheitliche Auswirkungen

Unbehandelt führt die Parodontitis fast immer zu Zahnverlust und daraus folgend zu ästhetischen und funktionellen Beeinträchtigungen.

Außerdem ist Parodontitis ein Risikofaktor für allgemeinmedizinische Erkrankungen. So gilt ein Zusammenhang zwischen parodontalen Erkrankungen und dem erhöhten Risiko für das Auftreten von Herzinfarkten und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises als wissenschaftlich gesichert. In neueren Untersuchungen konnte außerdem gezeigt werden, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko von Fehl- und Frühgeburten um das Siebenfache steigert und auch ein niedriges Geburtsgewicht ursächlich mit einer Parodontitis zusammenhängen kann. Die Folgen des Zahnverlustes, vor allem die zum Teil sehr kostenintensiven prothetischen Maßnahmen, welche sich oft an eine parodontologische Behandlung anschließen, sowie die Kenntnis der allgemeinmedizinischen Zusammenhänge haben zur Folge, dass der Diagnose, Behandlung und vor allem der Vorbeugung dieser Erkrankung eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen wird.

Parodontitis ist eine "Volkskrankheit", fast jeder ist im Laufe seines Lebens irgendwann mehr oder weniger stark betroffen. Bei den über 40-jährigen gehen mehr Zähne durch Parodontitis verloren als durch Karies.


Parodontitisprophylaxe

Um einer Parodontitis oder ihrem Wiederaufflammen vorzubeugen, ist es am wichtigsten, eine gründliche Parodontitis-Prophylaxe zu betreiben.
Neben dem eigentlichen Zähneputzen sollte auf eine gute Zahnzwischenraumpflege und eine Entfernung von Belägen auf dem Zungenrücken geachtet werden.

Durch eine regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt in Verbindung mit einer professionellen Zahnreinigung alle 3-6 Monate können außerdem Putznischen gesäubert werden und Hilfestellungen bei der häuslichen Mundhygiene gegeben werden

Bei erhöhtem Risiko, zum Beispiel durch eine Schwangerschaft oder starken Stress, können die Prophylaxeintervalle auch verkürzt werden, um frühestmöglich auf Veränderungen des Parodonts reagieren zu können.

Daneben ist es wichtig, die oben genannten Risikofaktoren zu minimieren (z. B. mit dem Rauchen aufhören, Diabetes richtig einstellen lassen).


Kosten bei gesetzlich Versicherten

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben zum 1. Januar 2004 die Parodontal-behandlung neu organisiert. Damit sollen die Früherkennung von Parodontalerkrankungen gefördert und gleichzeitig der Patient zu verstärkten Eigenleistungen animiert werden. Die Idee dabei war, dass eine gute Mundhygiene als beste Prophylaxe vom Patienten selbst sichergestellt werden soll.

Die wissenschaftlichen Entwicklungen der letzten 10 Jahre finden in den Kassenrichtlinien keine Berücksichtigung.
Die BEMA-Ziffer 04 wurde neu in den Leistungskatalog aufgenommen: 1x alle zwei Kalenderjahre ist die Erstellung eines Parodontalen Screening-Indexes (PSI) zu Lasten der Krankenkasse abrechenbar.
Auf der anderen Seite kann seither die Entfernung des Zahnsteins (BEMA-Ziffer 107) im Rahmen der GKV nur noch einmal im Jahr abgerechnet werden (vorher 3x im Jahr).
Stattdessen sollen Patienten bei Bedarf Prophylaxesitzungen beim Zahnarzt privat zahlen, die Höhe der Kosten ist von Praxis zu Praxis unterschiedlich.

Um für eine Parodontitistherapie die Kostenzusage durch eine Krankenkasse zu erhalten, verlangt diese eine einwandfreie Mundhygiene. Diese soll durch mindestens drei Mundhygienesitzungen beim Zahnarzt sichergestellt werden (Privatleistung des Patienten). Außerdem soll während dieser Vorbehandlungphase das Gebiss in einen Zustand gebracht werden, den der Patient sauber halten kann.
Dazu müssen alle nötigen chirurgischen, konservierenden und prothetischen Eingriffe stattfinden, zum Beispiel Extraktion nicht erhaltungswürdiger Zähne, Füllungen und Wurzelfüllungen, Umarbeitung von altem Zahnersatz. Erst im Anschluss kann die eigentliche Parodontitisbehandlung beginnen, welche die Krankenkassen im eingeschränkten Umfang der Richtlinien bezahlt.
Eventuell nötige Zusatzleistungen wie professionelle Zahnreinigungen (PZR), häufigere Zahnsteinentfernungen, Auffüllung von Knochendefekten oder die Bestimmung der Bakterienarten oder des genetischen Risikos muss der gesetzlich versicherte Patient selbst tragen.

 

 

 

Kinderzahnheilkunde in Narkose

Die zahnärztliche Behandlung von Kindern birgt ihre eigenen Risiken und Gefahren. So sind Kinder weniger belastbar und haben wenig Verständnis für die Notwendigkeit einer Behandlung, die mit Missempfindungen, Geduld und längerem Stillhalten einhergehen. Kid
Weiterhin beinhaltet die kindliche Unruhe und Neigung zu unerwarteten, plötzlichen Bewegungen die Gefahr von Verletzungen während der Behandlung.
Auch können schmerzhafte Ereignisse dazu führen, dass langfristig eine "Zahnarztphobie", das heißt, eine fortbestehende Angst vor dem Zahnarzt zurückbleibt.
Deshalb bieten wir die Behandlung von Kindern in Vollnarkose an. So können in einer Sitzung alle notwendigen Maßnahmen wie Extraktionen, Füllungen und Wurzelbehandlungen durchgeführt werden. 

 

Dazu wird zunächst in unserer Praxis ein Untersuchungstermin vereinbart. In Zusammenarbeit mit dem Hauszahnarzt erfolgt eine Planung der erforderlichen Maßnahmen und ein Aufklärungsgespräch mit den Eltern.
Ggf. werden auch die Anträge an die Krankenkassen vorbereitet, wie sie zum Beispiel bei aufwändigen Füllungen erforderlich sind, vorbereitet.

In Einzelfällen kann sich bei besonders empfindlichen Kindern auch diese sorgfältige Untersuchung als schwierig erweisen. Die Untersuchung kann dann in der Narkosesitzung erfolgen, wobei mir als Operateur dann die notwendigen Therapieentscheidungen ohne Rücksprache überlassen werden müssen.

Anschließend wird ein Termin für die Narkosebehandlung vereinbart. Die Behandlung findet durch mich im Chirurgie-Zentrum Bad Cannstatt statt. Die Eltern werden gebeten, sich mit ihrem Kind zu einer Vorbesprechung und Voruntersuchung dort beim Narkosearzt vorzustellen.

Ärzteinfo...

 

 

 

 

 

 

 

Sanierung von Kindergebissen in ITN. Vitalamputation bei Milchzähnen

Indikation der Vitalamputation

-keine oder nur geringe Schmerzen
-keine Schwellung oder Fistel
-keine Lockerung
-keine Osteolyse
-Wurzel zu mindestens 2/3 erhalten
-Restaurierbarkeit
-Milch 5er vor 6er-Durchbruch
-Milch 3er
-keine angeborenen Herzfehler oder Immunsuppression

Vitalamputation

Pulpendach und Kronenpulpa bis zu den Kanaleingängen abtragen
Blutstillung: 15,5%ige Eisen-II-Sulfat-Lsg sollte nach 10-20 Sec die Blutung stillen, sonst ist Wurzelbehandlung indiziert
Abdeckung der Pulpawunde: MTA (Mineraltrioxid)

Wurzelbehandlung und Wurzelfüllung

Gemischte Jodoform-Kalziumhydroxid-Pasten (Magipex, Endomagic, Korea): Antiseptisch, resorbierbar, überstopfbar. Keine Kanalaufbereitung. Bei Milchfronzähnen immer WK

Füllungstherapie bei Milchzähnen

Provisorische Füllungen mit Havard-Zement, falls eine Hauszahnärztliche definitive Füllungstherapie gelant ist. Dies kann sinnvoll sein, wenn lediglich die schmerzhaftere Extraktionstherapie anderer Zähne oder die Wurzelbehandlung in ITN durchgeführt werden soll.

Langzeitprovisorische Füllungen mit Ketac

Definitive Füllungen mit Composit, Säure-ätz-Technik

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